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Neuntklässler greifen als Streitschlichter ein
GEISLINGEN AN DER STEIGE:

Streitschl

Ein Tisch, vier Stühle und möglichst wenig Emotionen: Das ist die Ausgangslage für jedes Gespräch, das die Streitschlichter an der Geislinger Schubart-Realschule führen. Seit diesem Schuljahr helfen die zehn Neuntklässler ihren Mitschülern, wenn die sich so in die Haare geraten sind, dass sie sich ohne Hilfe nicht mehr aussöhnen können.

An dem Tisch nehmen neben den Streithähnen immer zwei Streitschlichter Platz. Keiner trägt ein Wort der Unterhaltung weiter, am Ende steht ein Vertrag und das feierliche Versprechen, wieder miteinander auszukommen.

Die 15-jährige Nafia und der 14-jährige Jan haben das Prozedere in diesem Schuljahr schon mit zwei Mitschülern vollzogen. Die beiden hatten sich gegenseitig immer wieder beleidigt und geärgert; zusammen mit den Streit­schlichtern arbeiteten sie den Konflikt auf. Hat es funktioniert? "Sie mögen sich immer noch nicht", sagt Jan. "Aber sie kommen miteinander klar." Und das sei doch schon etwas.

Die Mediation von Schülern für Schüler gibt es an der Schubart-Realschule schon seit mehr als 13 Jahren. Es ist ein Erfolgskonzept, meint die Beratungslehrerin Petra Sommer, die die Streitschlichter zusammen mit ihrer Kollegin Tina Klein betreut. "Die Schüler lernen ihre Konflikte gewaltfrei zu lösen. Und wer als Streitschlichter mitmacht, profitiert von den Erfahrungen."

Das bestätigen Sebile (15), Franzi (14), Tobi (14) und die anderen sofort. Franzi hat etwa gelernt, dass "man mit Worten alles lösen kann". Das hält sie auch für das spätere Berufsleben für wichtig. Nafia nickt: "Mit Menschen gibt es immer mal Probleme. Wir wissen, wir wir damit umgehen müssen." Streiten koste viel Kraft und bringe nichts, hat Sebile erfahren: "Man muss damit aufhören und eine Lösung finden."

Die Streitschlichter wissen um ihre Verantwortung. Sie sollen den Schülern, die zu ihnen kommen, dabei helfen, Frieden zu schließen – nicht, indem eine Seite die Schuld für den Streit zugewiesen bekommt, wie Sarah (14) erklärt, sondern indem beide einen Kompromiss für ihren künftigen Umgang miteinander finden. Damit das gelingt, müssen die Streitschlichter die Betroffenen dazu bewegen, offen über ihre Gefühle zu sprechen. Ist das nicht gerade für die Jungen manchmal schwierig? Jans Antwort folgt prompt: "Überhaupt nicht. Wir sind auch einfühlsam. Das ist voll das Vorurteil."

Um die Aufgabe gut zu erfüllen, müsse man nett sein und gut zuhören können, meint Tobi. Vom Einfühlungsvermögen spricht auch Franzi. Die 15-jährige Laura ergänzt: "Man braucht einen guten Überblick." Zwei Tage lang wurden die Streitschlichter geschult, mit den Lehrerinnen treffen sie sich zwei-, dreimal im Jahr, um zu besprechen, wie es läuft.

Sie alle haben sich freiwillig gemeldet, weil sie anderen gerne helfen, und sie betreuen als Klassenpaten auch die Fünftklässler. Die Verbindung ist sinnvoll: Die Kleinen haben von Anfang an Ansprechpartner in den höheren Klassen, die Hemmschwelle ist niedrig, sich bei Problemen bei ihnen zu melden. Bis zur siebten Klasse sind die Streitschlichter häufig das Mittel der Wahl, die Älteren lösen ihre Streitereien eher untereinander.

In jüngeren Jahren den Job des Mediators zu übernehmen – dagegen hat man sich in der Realschule bewusst entschieden. Lehrerin Petra Sommer: "Vor den Neuntklässlern hat man einfach mehr Respekt."

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